Der PICC-Port ist ein implantierter Katheter, der unter den klassischen Gefäßzugängen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dies ist wenig überraschend, denn er ermöglicht neue Indikationen, Kosteneinsparungen sowie eine höhere Patientenzufriedenheit.
Obwohl der PICC-Port bereits seit mehreren Jahrzehnten verwendet wird, hat er insbesondere in den letzten Jahren durch innovative Technologien und optimierte Best Practices im Bereich des Gefäßzugangs an Relevanz gewonnen.
Dank sicherer Platzierungstechniken, der Reduktion von Gefäßschäden sowie dem minimierten Risiko von Komplikationen trägt der PICC-Port langfristig auch zur Kostenreduktion bei.
Darüber hinaus fungiert der PICC-Port als Hybridkatheter, da er wie ein PICC platziert wird, aber die Eigenschaften eines Ports aufweist.
INDIKATIONEN
Die Einsatzgebiete eines PICC-Ports sind vielfältig und werden durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse kontinuierlich erweitert. Er eignet sich insbesondere für Patient:innen, die eine Langzeittherapie über mehr als drei Monate, beispielsweise eine intermittierende Chemotherapie, benötigen.
VENENMERKMALE
Da die Implantation eines PICC-Ports derjenigen eines PICC-Katheters entspricht – einschließlich Venenauswahl und ultraschallgestützter Punktion mit modifizierter Seldinger-Technik in den tiefen Armvenen – gelten für beide Systeme dieselben Kriterien:
- Auswahl einer Vene mit geeignetem Durchmesser im Verhältnis zur French-Größe des Katheters
- Der Katheter sollte nicht mehr als ein Drittel des Venendurchmessers einnehmen, um einen ausreichenden Blutfluss sicherzustellen
- Beispiel: Bei 4 mm Venendurchmesser sollte die Kathetergröße maximal 4 Fr betragen
- Die anatomische Lage der Vene muss so gewählt werden, dass Schäden an umliegenden Strukturen (Arterien, Nerven) vermieden werden
PATIENTENMERKMALE
Ein PICC-Port eignet sich besonders für Patient:innen mit:
- Tracheotomie
- Hautveränderungen oder Wunden im Brust- oder Halsbereich (z. B. durch Bestrahlung, Operationen oder Verletzungen)
- Therapien, die zu Hautschädigungen führen können, wie z. B. Cetuximab‑induzierter Follikulitis
Der PICC-Port kann in diesen Fällen während der kompletten Therapie im Körper verbleiben, ohne zusätzliche Einschränkungen zu verursachen.
PATIENTENPRÄFERENZ
Aus ästhetischen, kulturellen oder religiösen Gründen lehnen einige Patient:innen Katheter im Brustbereich ab.
Beispielsweise bevorzugen Frauen, die bereits operative Eingriffe an Bauch oder Brust hinter sich haben, oftmals keine weiteren Narben am Rumpf. In solchen Fällen ist der PICC-Port eine attraktive Alternative, da er im Oberarm platziert wird und weniger sichtbar ist.
KONTRAINDIKATIONEN
Die Kontraindikationen entsprechen weitgehend denen eines klassischen PICC.
- AXILLÄRE LYMPHKNOTENDISSEKTION
Bei einseitiger Dissektion kann die gegenüberliegende Seite in Betracht gezogen werden, bei beidseitiger Dissektion ist der PICC-Port jedoch absolut kontraindiziert.
- UNZUREICHENDE VENEN
Keine geeigneten Armvenen hinsichtlich Größe, anatomischer Lage, Kollabierbarkeit und Tiefe.
- SUPERIOR-VENA-CAVA-SYNDROM
Eine Obstruktion oder Kompression der Vena cava superior, meist tumorbedingt.
- NIERENINSUFFIZIENZ
Bei chronischer Niereninsuffizienz im Stadium 3b-4, mit potentieller Fistelanlage oder wenn bereits eine Fistel im Arm vorhanden ist.

VORTEILE DES PICC-PORTS GEGENÜBER PICC UND BRUST-PORT
Die Implantation im Oberarm bietet zahlreiche Vorteile – sowohl für Patient:innen als auch für medizinische Einrichtungen:

1. Vollständig implantiert und pflegeleicht
- Keine wöchentlichen Verbandswechsel
- Kein Risiko einer unbeabsichtigten Katheterverschiebung
2. Präzise Platzierung
- Durchführung in separaten Eingriffsräumen
- Nutzung EKG-basierter Navigationssysteme (z. B. pilot TLS)
- Exakte Katheterspitzenposition im rechten Vorhof durch EKG-Ableitung; dadurch keine Röntgenkontrolle notwendig
3. Durchführung durch spezialisiertes Fachpersonal
- Implantation ausschließlich durch geschulte medizinische Fachkräfte
- In Deutschland: üblicherweise Chirurg:innen oder Anästhesist:innen
- In einigen europäischen Ländern (z.B. Spanien, Italien) auch durch spezialisierte Pflegekräfte möglich
4. Geringe Komplikationsrate
- Geringeres Risiko schwerwiegender unmittelbarer Komplikationen während der Platzierung im Vergleich zum Brustport
- Spätkomplikationen wie z.B. Thrombosen entsprechen denen eines ultraschallplatzierten Brustports
- Kein Pinch-off-Syndrom
- Geringe Hämatomneigung
5. Hohe Patientenzufriedenheit
- Geringerer emotionaler Stress durch Platzierung am Arm
- Weniger sichtbare Narbenbildung und bessere Ästhetik
- Geringeres Komplikationspotential
- Erhalt eines normalen Alltags und uneingeschränkte Körperpflege
- Keine sichtbare Beeinträchtigung des Körperbildes

FAZIT
Der PICC-Port ist eine moderne, sichere und patientenorientierte Lösung für den langfristigen Gefäßzugang. Für Einrichtungen kann seine Einführung gleichzeitig eine Strategie zur Reduzierung von Kosten und zur Steigerung der Patientenzufriedenheit darstellen.
Quellen
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- Merlicco D, Lombardi M, Fino MC. PICC-port: valid indication for placement in patients with extensive burns of the neck and chest in oncology. The first case in the scientific literature. IJSCR. 2020. 63-66.
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