Beim Entfernen einer Huber-Nadel aus einem implantierten Port können Komplikationen wie z.B. eine Okklusion auftreten. Dies ist eine der häufigsten Komplikationen bei zentralvenösen Kathetern und es ist bis zu jeder dritte Katheter betroffen1 – schwerwiegende Folgen können für den Patienten einhergehen.
Um diese Risiken zu mindern, kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Der positive Injektionsdruck spielt dabei eine zentrale Rolle. Diese Methode ist beim Entfernen der Huber-Nadel unerlässlich, um die Durchgängigkeit des Katheters aufrechtzuerhalten und einen Blutrückfluss zu verhindern.
Dieser Artikel fasst eine eingehende Untersuchung des positiven Injektionsdrucks, die klinische Relevanz und die bewährten Verfahren zur korrekten Anwendung zusammen.
Was ist eine Katheterokklusion?
Laut Moureau1 wird eine Katheterokklusion als teilweise oder vollständige Verstopfung eines Gefäßzugangs definiert, die die Blutentnahme, die Katheterspülung sowie die Verabreichung von Blut, Lösungen, Medikamenten oder Arzneimitteln einschränkt oder verhindert.
Okklusionen lassen sich wie folgt klassifizieren:5
- Fibrin-Schwanz: Ein Fibrinstrang haftet an der Katheterspitze und reicht in den Blutkreislauf hinein
- Intraluminaler Thrombus: Im Lumen des Katheters bildet sich ein Blutgerinnsel, was häufig zu einer vollständigen Obstruktion führt
- Muraler Thrombus: Fibrin aus einer Verletzung der Gefäßwand bindet sich an Fibrin auf dem Katheter und bildet ein Gerinnsel, das an beiden haftet
- Fibrinfilm: Fibrin bedeckt die Außenfläche des Katheters und bildet eine „Hülle“ um ihn herum

Blutrückfluss, eine der Hauptursachen für Katheterokklusionen
Ein Verschluss des Katheters wird in erster Linie durch Blutrückfluss verursacht, der beim Entfernen der Portnadel auftritt.
In 99 % der Fälle entsteht beim Entfernen der Nadel ein Sogeffekt aufgrund der Adhäsion zwischen dem Stahl der Nadel und dem Silikon des Septums2, d.h. das Septum wird leicht angehoben und kehrt in seine ursprüngliche Position zurück. Dieser Mechanismus führt zu einem Blutrückfluss am distalen Ende des Katheters, was zu einer Okklusion führen kann.

Positiver Injektionsdruck zur Vermeidung von Katheterverschlüssen
Die herkömmliche Technik – Spülen, anschließend Abklemmen und danach Entfernen der Nadel – hat sich als unzureichend erwiesen, um Blutablagerungen im Katheter zu verhindern.
Internationale Leitlinien empfehlen daher alternative Techniken. Als besonders wirksam gilt die Anwendung von positivem Injektionsdruck beim Entfernen der Nadel. Bei dieser Methode wird weiterhin Flüssigkeit in den implantierten Port injiziert, während gleichzeitig die Huber-Nadel zurückgezogen wird.
Der kontinuierliche Vorwärtsfluss der Flüssigkeit sorgt dafür, dass kein Unterdruck entsteht, der sonst Blut in den Katheter zurücksaugen würde.
Studien belegen die Wirksamkeit dieses Vorgehens:
- Kelly et al.4 konnten zeigen, dass das gleichzeitige Injizieren und Zurückziehen der Nadel (einhändig) effektiver ist als ein Spülen unter Überdruck ohne gleichzeitige Nadelbewegung. Dadurch wird der Rückfluss von Blut stärker reduziert.
- In einer Studie von Lapalu3 trat ohne Anwendung von positivem Druck in fast allen Fällen (99,1 %) Blutrückfluss in den Katheter auf.
- Wurde jedoch beim Entfernen der Huber-Nadel positiver Druck angewendet, sank die Häufigkeit dieses Rückflusses deutlich – von etwa 99 % auf nur noch 22 %.
Diese Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von positivem Injektionsdruck eine wirksame Maßnahme ist, um Katheterverschlüsse zu verhindern.

Der positive Injektionsdruck ist wirksamer als die turbulente (pulsierende) Spülung und die Unterdrucktechnik, wenn es darum geht, den Rückfluss von Blut in den Katheter zu verhindern.
Wichtig ist, die beiden Methoden nicht zu verwechseln:
- Positiver Injektionsdruck verhindert, dass Blut beim Entfernen der Nadel zurück in den Katheter gelangt.
- Pulsierende Spülung (Push-Pause-Technik) wird eingesetzt, um den Katheter und den Port zu reinigen und Ablagerungen wie Biofilm zu entfernen.
Beide Methoden haben also unterschiedliche Aufgaben.
Durchführung des positiven Injektionsdrucks: die einzelnen Schritte

Welcher Portnadel-Typ eignet sich am besten für den positiven Injektionsdruck?
Es sind verschiedene Arten von Huber-Nadeln erhältlich. Jede verfügt über unterschiedliche Mechanismen zur Verringerung des Blutrückflusses und des Risikos einer Katheterokklusion beim Herausziehen. Die Portnadeln lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen6:
- Uni-Manuelle Huber-Nadeln (UMHN):
UMHN erfordern beim Zurückziehen manuellen Überdruck. Sie verfügen über einen Sicherheitsmechanismus, der das Pflegepersonal vor versehentlichen Nadelstichverletzungen schützt. Diese Sicherheitsnadeln bieten eine verbesserte Ergonomie und eine reibungslosere Handhabung, sind jedoch weiterhin von der Technik des Anwenders abhängig.
Trotz des verbesserten Designs bleibt die Restrückflussrate hoch (16 %), wenn der Druck manuell ausgeübt wird.
- Automatische Huber-Nadeln mit Überdruck (AHN+)
Die neueste Generation von Nadeln, wie beispielsweise die AHN+, verfügt über einen integrierten automatischen Überdruckmechanismus. Beim Herausziehen wird eine Verbindungsleitung gegen den Kolben gedrückt, wodurch automatisch Kochsalzlösung in den Port injiziert wird.
Dieses System ermöglicht dem medizinischen Fachpersonal eine sichere Einhandentnahme und verhindert wirksam den Rückfluss von Blut beim Patienten. Es gleicht individuelle Unterschiede bei der Anwendung aus und gewährleistet so eine gleichbleibende Leistung, unabhängig davon, wer das System bedient.
Die Ergebnisse zeigen eine signifikant niedrigere Restrückflussrate bei dieser Art von Huber-Nadeln (7,2 %).

Okklusionen sind eine häufige Komplikation beim Entfernen von Huber-Nadeln, können jedoch mit den richtigen Techniken wirksam verhindert werden.
Der positive Injektionsdruck hat sich als wirksame Lösung erwiesen und wird durch internationale Leitlinien empfohlen. In Kombination mit einer automatischen Huber-Nadel mit Überdruck reduziert diese Methode den Blutrückfluss erheblich und trägt dazu bei, das Risiko einer Katheterokklusion zu minimieren.
Quellen
- Moureau, N., Gorski, L., Flynn, J., & Johnson, K. (2025). A systematic review of needleless connector function and occlusion outcomes: Evidence leading the way. Journal of Infusion Nursing, 48(2), 84–105. https://doi.org/10.1097/NAN.0000000000000578
- Dupont, C. (Ed.). (2012). Guide pratique des chambres à cathéter implantables: Utilisation et gestion des complications (1st ed., pp. 202–203). Lamarre.
- Lapalu, J., Losser, M.-R., Albert, O., Levert, A., Villiers, S., Faure, P., & Douard, M.-C. (2010). Totally implantable port management: Impact of positive pressure during needle withdrawal on catheter tip occlusion (an experimental study). Journal of Vascular Access, 11(1), 46–51. https://doi.org/10.1177/112972981001100110 [europepmc.org]
- Linda J. Kelly, Constance Girgenti, Tracy Jones (2024). Observational Experiment of Catheter Reflux During Huber Needle Withdrawal. WoCoVA.
- 5. Canadian Vascular Access Association (CVAA). (2019). CVAA occlusion management guideline for central venous access devices (CVADs) (2nd ed., Vol. 13, Suppl. 1). CVAA.
- H.Levert, O.Albert, E.Barret, S.Villiers, & MC.Douard. (2014). A randomized experimental comparision of two safety Huber needles (HN) allowing manual or automatic positive pressure during needle removal: effect on the distal catheter reflux. WoCoVA


